In wenigen Tagen blickt die Schachwelt nach Berlin; die Spitzenteams haben Ihre Stars bereits im Vorfeld angekündigt: Vom 24. bis 26. April 2026 verwandelt sich das Willy-Brandt-Haus in die Arena der zentralen Bundesliga-Endrunde. Doch wie steht es um das ‚Flaggschiff‘ des deutschen Schachs in Zeiten des Umbruchs? Michael S. Langer hat diese Veranstaltung unterstützt und gestaltet das deutsche Schachgeschehen seit mehreren Jahrzehnten aktiv mit. Als Präsident des Niedersächsischen Schachverbandes kennt er die Sorgen der Basis ebenso gut wie die Glanzlichter des Spitzensports. Doch sein Blick reicht weit über das 64-Felder-Brett hinaus: Als Vizepräsident des Landessportbundes Niedersachsen und Mitglied im Rundfunkrat des NDR ist er eine gewichtige Stimme in der deutschen Sportpolitik und Medienlandschaft.
Im Interview mit Lars Hein stand Michael S. Langer für uns Rede und Antwort.

Frage: Lieber Michael, Du sprachst in einem früheren Interview einmal davon, dass das deutsche Schach aus dem „Tiefschlaf“ herauskommen müsse. Hier in Berlin organisieren wir als Schachfreunde nun schon zum fünften Mal die zentrale Endrunde im politischen Zentrum. Ist dieses Format – alle Teams an einem Ort – die „Blaupause“, wie wir Schach künftig verkaufen müssen, um aus den „Hinterzimmern der Turnhallen“ herauszukommen?
Antwort: Es ist zumindest ein Teil einer guten Antwort! Denn dass wir in die Öffentlichkeit gehen müssen, ist selbstverständlich!
Frage: Du betonst oft die Professionalisierung. Was fehlt diesem Event in Berlin nach Deiner langjährigen Erfahrung noch, um sich mit einer Finalserie im Handball, Eishockey oder Basketball messen zu können? Ist es das Licht, die Show oder schlicht die mediale Reichweite?
Antwort: Na ja, Schach ist schon geil. Aber wir müssen schon noch ein paar Jahre Klinken putzen, bis wir an die Zuschauerzahlen der anderen herankommen. Gott sei Dank hast Du Fußball nicht mit aufgezählt…
Frage: Als Mitglied im NDR-Rundfunkrat weißt Du, was Quote bringt. Kannst Du Dir im „klassischen Fernsehen“ ein schachbezogenes Format vorstellen? Woran liegt es, dass den Medien, insbesondere auch dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk allenfalls die Krönung eines neuen Schachweltmeisters eine kurze Schlagzeile wert ist, oder sehe ich das zu kritisch?
Antwort: Auch bei uns gilt die Quote als ein wesentlicher Maßstab. Schach wird immer wieder gern in verschiedenen Formaten gesendet. Auch ich, das werden Dir die Kolleg*innen aus dem Rundfunkrat bestätigen, würde Schach gern sehr viel öfter sehen und hören und formuliere das auch immer, wenn es irgendwie passt.
Frage: Digitalisierung ist eines Deiner Themen: Ist die Schachbundesliga mit klassischem Zeitformat an statischen Brettern noch zeitgemäß, oder sollte man – wie bei anderen Schachevents schon praktiziert – den Spielern „Pulsmesser“ anlegen oder sie in „Flüsterkabinen“ um kurze Zwischenstatements um die Spannung und Atmosphäre für die Zuschauer hier vor und im Livestream fühlbarer zu machen?“
Antwort: Da habe ich kein Ja oder Nein. Für externe Zuschauer ist es schon ne gute Untermalung. Beim Stammpublikum bin ich leicht skeptisch.
Frage: Durch Dein finanzielles Engagement trägst Du maßgeblich zum Gelingen der zentralen Endrunde bei. Werden wir Dich bei der Endrunde und womöglich beim Blitzturnier selbst am Brett sehen?
Antwort: Mal schauen… wenn, dann am Donnerstag. Und das Geld habe ich übrigens nur „besorgt“. Es kommt von der Niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung. Ich sag auch hier mal Danke für die jahrelange herausragende Zusammenarbeit.
Frage: Du hast den Zustand im DSB zuletzt in einem Interview im Februar 2026 scharf kritisiert. Kann die Bundesliga hier in Berlin als ‚Stabilitätsanker‘ fungieren und zeigen, dass das deutsche Schach operativ glänzend funktioniert, während es politisch im Gebälk durchaus knistert? Was wäre Dein Wunsch für die nähere Entwicklung des DSB?
Antwort: Die Bundesliga muss kein Anker sein. Hier will ich herausragenden Schachsport sehen und anbieten. Vom DSB erwarte ich „Ruhe im Karton“ und Mut zu seriöser Langweiligkeit.
Frage: Zuletzt noch ein Blick in die Glaskugel und angenommen, dass wir uns in fünf Jahren wieder unterhalten würden: Wird die Schachbundesliga dann eine eigenständige Marke sein, die man am Kiosk oder im Sport-Stream genauso selbstverständlich findet, wie zumindest die zweite Fußball-Bundesliga? Welches Potenzial siehst Du in diesem Zeitraum für den deutschen Schachnachwuchs im internationalen Vergleich?
Antwort: Du kannst Fragen fragen … Ich bin und wäre auch weiterhin mit einer langsamen und stetig aufsteigenden Entwicklung, die sehe ich, zufrieden. Sportliche Erfolge wie „im hier und jetzt“ würde ich auch in Zukunft gern sehen.
Vielen Dank für deine Antworten!
Das Interview führte Dr. Lars Hein.
